KLARTEXT

Unsere "Sorgenkind" ist eine absolute Notwendigkeit, die uns Zeit und Nerven kostet und keineswegs unser Leben verschönt. Weil aber der Umgang mit der Natur immer schlimmere Formen annimmt - und es die "Grünen" nur noch dem Namen nach gibt (Macht lässt eben alle guten Vorsätze vergessen), - sehen wir uns gezwungen, "Klartext" zu reden. Ein großer Kämpfer für Naturschutz (Horst Stern/ ARD) ist müde geworden - und am 80. Geburtstag befragt, - was er denn nun in seinem Leben erreicht hat, - antwortet er: "NICHTS!"
Wer seine Geschichte kennt, der weiß, dass er in den 70er Jahren in schärfster Form die Zerstörung der Natur anprangerte. Ganz gleich ob er unserer Gesellschaft "Maßlosigkeit ihrer Freizeitansprüche" oder der Wirtschaft "katastrophalen Raubbau an der Natur" vorwarf, - seine Besorgnis wurde übererfüllt. Wir gaben einen Ausschnitt seines Wirkens unter GEDANKEN / S. 10 wieder. Unsere Gesellschaft müsste sich schämen, dass Horst Stern ein solches Fazit ziehen musste! Anfangs hielt ich seine Schärfe, mit der er die Naturfrevler "zur Brust nahm", für übertrieben, aber wer aufmerksam verfolgt, wie brutal, materialistisch, dumm und rücksichtslos (oder wenn verantwortlich, - desinteressiert und inkompetent) mit der Natur umgegangen wird, der muss (wie ich) einsehen, dass auf "einen groben Klotz - ein grober Keil" gehört . Die Journalisten von heute, sind selten aus dem Holz geschnitzt, Klartext zu reden. (Die Wallraffs sind ausgestorben!) Der Chef-
redakteur und der Verleger bestimmen, was in welcher Form an die Öffentlichkeit dringen darf, da jeder auf durch Kritik verloren gegangene Inserenten schielt. Da fast jeder Journalist um seine Stellung bangt, schreibt er "andeutungsweise und zwischen den Zeilen", seine Berichte. Die sind dann entsprechend lasch oder halbherzig. Und wenn dann ein Kritiker (wie ich) kommt und mit scharfen Worten Naturfrevel aufzeigt, dann wirft man ihm (entsprechend des Zeitgeistes) "Polemik" vor. Sie merken (oder wollen es gar nicht merken), das sie die Polemiker sind, die die Wahrheit nicht zu Wort kommen lassen!
Und wenn Politiker das Wählervolk über Gebühr belogen, vertröstet und mit Inkompetenz überschüttet haben, dann läutern sie sich durch ein (scheinbares) Eingeständnis, - und machen, wenn die Wahlen gewonnen sind - genau so weiter! Die für Umweltschutz Verantwortlichen begreifen trotz aller Kritik aus der Bevölkerung nicht, wie ernst die Situation weltweit ist. Das Zitat von H. M. Enzensberger "Dass sich die Zerstörer der Umwelt als ihre Hüter aufspielen, gehört heute zur politischen Routine!" hat heute noch (mehr) Gültigkeit.
Wenn man die Naturkatastrophen der letzten Jahre analysiert, kommt man zu dem Schluss, dass die Natur um so härter zurück schlägt, um so mehr sie der Mensch verge-
waltigt! Diese beginnt mit der (üblichen) Flurbereinigung, setzt sich fort über sinnlose Rodungen, "verkehrssichernde" Maßnahmen, Flusslaufbegradigungen, Zerstörung von Natur für künstliche Schein- und Erlebniswelten, Errichtungen von teuren, sinnlosen und Tierwelt zermetzelnden Windkraftanlagen, die in Offshores-Anlagen enden und den Meeren den "Rest" geben werden. Alle Arten von Fahrzeugen, wie Landrover, Speedboote, Schnee-Scooter und Wasser-Bikes lärmen und zerstören Uferbereiche und Gebirge. Der Menschheit wird per Werbung eingeimpft, dass nur der cool und geil ist, der sich dessen bedient. Und die Menschheit schaut zu, wie die Natur vor die Hunde geht. Aber da durch Geld alle Mittel geheiligt werden - und der Irrglaube aufrecht erhalten wird, dass man mit Geld alles heilen kann, darf sich letztlich jeder benehmen, wie die Axt im Walde.
Die Freizeitindustrie und Werbung, samt Privatsendern verdient Unsummen an reiße-
rischen Super-Shows, illusioniert der Jugend, dass jeder (mit der entsprechenden Rücksichtslosigkeit) alles erreichen kann. Man heizt sie an bis zur Ekstase und schlägt dann aus perversem Benehmen nochmals Kapital. Man überzieht die Erde mit Satelliten-
anlagen, stark strahlenden Sendemasten (jedes Kleinkind braucht schliesslich sein Handy).
Achtung vor der Natur, vor der Schöpfung, vor Werten - Fehlanzeige! Es ist ja letztlich ein Tribut an den Zeitgeist!
Ein weiterer Leser schrieb mir diesbezüglich: "Die Wahrheit, die wir uns nicht leisten können, bekämpfen wir!" Ich "leiste" sie mir - und verzichte gern, auf das Geld und die "Seelenverwandschaft" derer, die rücksichtslos aus der Natur ihr Kapital schlagen und stumme Mitläufer kaufen. Ich verzichtete oft - und erlaube mir den Luxus, "nicht käuflich", "partei- & verbandslos" - und somit (wirklich) "unabhängig" zu sein! Das hat für mich auch seinen Preis, aber dafür kann ich morgens in den Spiegel schauen, kann einen Baum (ohne schlechtes Gewissen) streicheln und habe "Seelenverwandte", auf die ich stolz bin.

27. 11. 2006