Friedwald Pansevitz

Friedpark Rügen im Schlosspark Pansevitz a. Rügen - ist der Name dieses 1. Friedparks in Mecklenburg-Vorpommern.
Hier in der Natur sollte man Abschied nehmen, zu sich selbst finden und vielleicht sein eigenes Leben überdenken, bevor unsere Asche unter den alten Bäumen ihre letzte Ruhe findet.
Am Ende einer Jahrhunderte alten, atemberaubend schönen Linden-Allee steht eine Holzfigur, die einen Zeigefinger an die Lippen presst und somit bildlich und ohne ein Wort zu sagen, um Ruhe bittet. Ruhe, Stille, Schönheit, Abgeschiedenheit und Besinnlichkeit sind die Attribute, die den Parkbesucher erwarten.
Dieses Bild der Allee entstand im November 2011.
Auch Mai 2012 war diese Welt (fast) noch in Ordnung. Gestern, am 24. Mai. 2013, brach sie für mich zusammen. Ich weinte erstmals in Rügens Natur und starrte die ehemalige "Figur der Stille" suchend, durch die nicht mehr vorhandene Allee.
Die Figur stand noch immer da, hatte den Finger an die Lippen gepresst. Was bedeutete das? Der Besucher sollte schweigen, wenn er diesen Frevel sieht?

Ich sah durch meine nassen Wimpern eine geköpfte Allee, fern ihrer natürlichen Schönheit und dachte daran, dass zu dieser Zeit ganze Bienenvölker in den riesigen Kronen die Lindenblüten befruchten würden. Ich fragte mich, was sind das für Menschen, die ohne Herz und ohne Verstand, fern jeder Ökologie eine solche Allee köpfen lassen, die in allen kooperierenden Homepages als "lebendiges Denkmal der Park- und Gartengestaltung und zu den wertvollsten Parkanlagen auf Rügen gehörend" beworben wird.
Wenn ich (Jahre zuvor) die lärmenden Motorsägen, abscheulich stinkenden und kreischenden Rasentrimmer, Laubsauger und Rasenmäher hörte und roch, fragte ich mich schon, was diese Geräte in einem Friedwald zu suchen haben. Ist es heute nicht mehr möglich, Friedhofsruhe zu gewährleisten?
Dass trotz leerer Kassen die Kommunen, Kliniken und Friedhofsverwaltungen diese teuren Dreck- und Lärmschleudern anschaffen, ist ein Skandal! Deutschland hat Millionen Arbeitslose - darunter auch kräftige junge Männer, die nach entsprechender Einweisung wie die Bergbauern Österreichs und der Schweiz, die Grasflächen mit der Sense und Sichel bearbeiten könnten!
Sie wären körperlich ausgelastet, könnten sich den Besuch teurer Fitness-Center ersparen und würden Aggressionen abbauen.
Das tat ich mit 16 bis 23 Jahren auch - hatte eine durchtrainierte Figur und noch ein paar Urkunden in der 1. DDR-Liga im Ringen und als Silbermedaillen-Gewinner im Bayerischen Schwerathletikverband vorzuweisen. Mir hat körperliche Arbeit nie geschadet!

Doch jetzt stehe ich als Naturfotograf vor der Situation, dass wieder einmal die Verantwortlichen eines Baum-Massakers verantwortungslos handelten - und mir fällt wieder das Zitat des preisgekrönten Schriftstellers, H. M. Enzensberger ein: "Dass sich die Zerstörer der Umwelt als ihre Hüter aufspielen, gehört heute zur politischen Routine."
Der zweite, von allen hochgeschätzte Künstler und Mensch, der mich an solche Frevel erinnert, ist Caspar David Friedrich, der (trotz leerer Taschen) Bäume aufkaufte, um sie vor der Fällung zu retten!
Er musste so gefühlt haben wie der Forscher E. Chargaff: "Der moralische Zustand eines Volkes zeigt sich am besten darin, wie es seine Bäume behandelt."

Ich werde mich weiterhin für den Erhalt der Natur einsetzen - und hoffe nun, dass die hier beigefügten Bilder die Leser überzeugen, selbst aktiv zu werden, wenn sie Naturfrevel sehen.
Beim Schreiben dieses Textes dachte ich an die Tatsache, dass bis heute, den 25. Mai 2013 in unserem Garten noch kein einziger Schmetterling, keine einzige Biene zu sehen war. Ein untrügliches Zeichen für eine düstere, kaum noch lebenswerte Zukunft!
Sollten Sie sich für einen Baum im Friedwald Pansevitz entscheiden, könnte es sein, dass Ihr Baum bald so aussieht.
Mein Appell - in Form von zwei meiner Aphorismen, an alle, die die Natur lieben und ihren Kindern und Enkeln eine lebenswerte und liebenswerte Welt hinterlassen möchten:

Gib der Natur das, was sie dir gibt – und du hast ein Leben lang zu tun.
Ehrfurcht vor der Natur – heißt Ehrfurcht vor dem Leben

Klaus Ender, Naturfotograf und Buchautor
Bergen, d. 25. Mai 2013