Friedwald - ohne Frieden...

Das Wort FRIEDWALD bekommt auf der Insel Rügen eine immer deutlichere Bedeutung. Man gibt anscheinend keine Ruhe, bis dass der letzte Baum "befriedet" wurde. Im Mai ist es 4 Jahre her, dass ich eine harte Kritik über das Refugium Pansevitz schrieb - und einen Briefwechsel mit den zuständigen Leuten hatte. Geändert hat sich nichts. Stille ist nicht eingekehrt. Bäume fallen in gewaltigen Mengen - wie bisher...
Egal, in welcher der 4 Jahreszeiten man den Friedwald aufsucht... es wird gerodet! Jetzt wollte ich an einem schönen Wintertag Ruhe im Park suchen - ich hielt es nur eine halbe Stunde aus, dann hatte ich vom Lärm der schweren Baummaschinen genug. Das Wort FRIEDWALD ist für mich nur noch blanker Hohn - hier möchte ich nicht begraben sein!

Das folgende Gedicht von Goethe (1749-1832) hat heute keine Ansprech-Partner mehr; was ist bloß aus unserer Gesellschaft geworden...

Über allen Gipfeln ist Ruh',
In allen Wipfeln spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur! Balde
Ruhest du auch.

Es zählt nicht, wieviel Menschen von einer großen Buche mit Sauerstoff versorgt werden, es zählt nicht, dass Bäume dem Lärmschutz dienen, die Austrocknung oder Vernässung des Waldbodens verhindern, es zählt nicht, dass wir ohne die Natur ein "nichts" wären, es zählt keine Erhabenheit des Waldes, des blühenden Obstbaumes, der Schatten spendenden Alleebäume und keine 500-jährige Buche oder Eiche.
Wir Menschen nützen die Natur gnadenlos aus, wir wenden uns ab von ihren lebensnotwendigen Gesetzen, wir begradigen und renaturieren das, was gar nicht notwendig wäre, wenn es uns Menschen nicht gäbe. Wir schielen in den Weltraum und hoffen, dort noch etliche Planeten zu finden, um sie auszurauben und ggf. mit unserem Atommüll zu versorgen.
Die letzten Urwälder sterben bei uns, die Böden sind versäucht, die Luft ist voller Feinstaub und die Gewässer voller Nitrate. Die Autobosse belügen die Welt, dass sie die umweltfreundlichsten Autos bauen! Und die Politiker? Sie mauscheln, schönreden und versorgen ihre Lobbyisten und das erklären sie nun mit "unseren westlichen Werten".

Diese schattige Allee war einmal...
Das Gedicht, die Fabel, die Poesie ansich spielen in der Schule keine Rolle mehr, die Gewaltbereitschaft nimmt in dieser Poesie- und Natur-feindlichen Menschheit immer mehr zu und die Befremdung unter den Telefoniersüchtigen, die nur noch das Display im Auge haben, entfernt sich immer mehr, immer stärker von der Realität und einem menschlichen Miteinander. Wohlstand und Reichtum einerseits, Rücksichtslosigkeit, Gewaltbereitschaft, Geldgier und Neid andererseits sorgen nun dafür, dass der Terrorismus entsteht.

Wer sich ein paar Zeilen zuvor fragte: "Was hat das alles miteinander zu tun?!?" der muss sich fragen lassen, warum sind: Zärtlichkeit, Umsorgtsein, Bildung, Erziehung, Liebe und Kultur für die menschliche Entwicklung so wichtig? Meine Antwort: Weil die Menschlichkeit sonst der Unmenschlichkeit, Gewaltbereitschaft, Nichtachtung, dem Rassenwahn, religiösem Fanatismus, Neid und Mißgunst weichen, wie sie heutzutage immer häufiger zu finden sind.
Wer sich der Liebe zur Natur verweigert, verliert auch sein Naturell, das ihm mitgegeben wurde. Er stösst sich schon am Wort "natürlich", weil das, was ihn umgibt "künstlich" geschaffen wurde. Naturgemäss heisst aber wörtlich "an der Natur gemessen!" Wir aber kennen nur noch Maßlosig-
keit, Gewinn und Haben.

...zig Bäume, die mit ihren riesigen Kronen Sauerstoff für Mensch und Tier produzierten, gibt es nicht mehr. Die Bäume standen im Wege - obwohl sie nur am Wegesrand standen.
Der Begriff Friedwald hätte - im Sinne des Wortes eine Chance gehabt, Mensch und Natur zu befrieden. Aber nicht einmal das schaffen wir, obwohl es unser letztes Dasein auf dieser geliehenen Erde ist. Jetzt wird sichtbar, wie sehr selbst das Begräbnis an Wert verliert.
Statt "Letzte Heimstatt" können wir "Nach uns die Sintflut" auf den Grabstein schreiben. Wer nun aber dachte, dass der Grabstein das letzte Zeugnis von uns Menschen ist, wird umdenken müssen, jetzt kommt als Beweis für die Moderne, dass der Friedwald ökonomischer, ökologischer, pflegeleichter und vergesslicher wird. Der Mensch hat ausgedient, er wird entsorgt und seine Asche lässt den Baum (der jetzt über ihm steht) schneller wachsen, was wiederum schnelleres Geld bedeutet.
Die "westlichen Werte" die z.zT. eine Ostdeut-
sche am fehementesten verteidigt, sind soviel wert, wie das Wort "Demokratie". Es wird genutzt, um das Volk ruhig zu stellen. Es lebe der Friedwald!

Klaus Ender



Der geschnitzte Waldarbeiter stand schon etliche Male woanders. Er störte wahrscheinlich zu sehr, wenn er die Finger vor die Lipen hielt - um mit der Geste um Ruhe zu bitten. Ruhe oder Stille kennt man in der Parkverwaltung anscheinend nicht - und so wird der "Störenfried" laufend aus der Sichtschneise genommen.